Editorial zum Gemeindebote Oktober / November 2023

Kaum geht der Sommer seinem Ende entgegen, steht schon der Advent vor der Tür. Diese Ausgabe des Gemeindeboten bindet es zusammen. Reichlich Rückblicke auf viele Highlights in den vergangenen Wochen und nicht weniger reiche Ausblicke auf das, was alles kommt in den nächsten Wochen durch den Herbst hindurch – von der sommerlichen Verabschiedung von Pfarrerin Hildegard Bergdolt über viel Konzertantes bis zum adventlichen Gang durch die Zeit mit Kindern, geistlich Übenden und Marktbesuchern. Gerade noch Sommer, jetzt schon Advent. Wir leben zunehmend in Extremen – was Experten nicht müde werden zu sagen und was in diesem Sommer zwischen Hitze und Unwettern auch ganz unmittelbar erlebbar war, das ist mir gerade […]

Editorial zum Gemeindebote August / September 2023

„Der Himmel ist so voll wie nie“ titelt Mitte Juli tagesschau.de. „Weder Klima-Skrupel noch gestiegene Preise können die Reiselust der Menschen bremsen.“ Es ist ein Kommen und Gehen in diesen Sommertagen. Ein großes Unterwegssein. Mit manchem Trubel, der auch in der Gemeinde hinter uns liegt: mit wunderbarem Gemeindefest zur Kirchweih, segensreichen Konfirmationen; und Trubel vielleicht auch bei Ihnen zum Ende des Schuljahrs hin und den vielen Abschlüssen und Festen und neuen Aufbrüchen. Es ist ein Kommen und Gehen in diesen Sommertagen. Ein großes Unterwegssein. Im August geben sich viele die Klinke in die Hand: kommt der eine, geht die andere. Kinder haben es nicht leicht in diesen Wochen: das Kommen […]

Editorial zum Gemeindebote Juni / Juli 2023

Zeit, bitte bleib stehen, bleib stehen Zeit, das soll immer so weitergehen Zeit, es ist so schön, so schön Ein jeder kennt den perfekten Moment „Rammstein“ singen so von dem, was wahrscheinlich wirklich jeder kennt: dass es solche und solche Zeit gibt: Zeit, die dahinfließt. Die man nutzen kann und verplempern; gestalten und verwirken; die sich lang-weilig dehnen kann und so schnell vergeht. Lebenszeit. Und Zeit, die ganz dicht und voll wird; am besten stehen bleiben soll; ein Moment Zeit voll von erfülltem Leben; glücklich und „richtig“. Im Neuen Testament finden sich für diese zwei unterschiedlichen Zeiten auch zwei Zeitbegriffe: „Chrónos“ für die Zeit, die fließt, vergeht, voranschreitet; und „Kairós“ […]

Editorial zum Gemeindebote April / Mai 2023

Rapa Nui – die „Osterinsel“ liegt isoliert inmitten des Pazifischen Ozeans. Sie ist ein Solitär – allein auf weiter Flur: 2078 km zur nächsten bewohnten Insel; über 3500 km bis zum Festland Chiles, zu dem sie gehört. Bekannt ist die Insel vor allem für die großen Steinskulpturen, die Moai. Wofür sie stehen ist nicht geklärt und daher umstritten. Sehr wahrscheinlich aber sind sie Ausdruck für die bleibende Bedeutung von Gemeinschaft, einem Gegenüber, der Verbindung untereinander. Ein wenig Aufbrechen der Isolation. Wie Ostern diesen Spagat meistert – ein „solitäres“ Fest im Jahreskreis und in unserer Geschichte und zugleich zeit- und weltumspannend –, davon können Sie in diesem Gemeindeboten etwas lesen: dass […]

Editorial zum Gemeindebote Februar / März 2023

Gibt es in der Fasten- und Passionszeit etwas zu lachen? Geht das zusammen mit der Ausrichtung und Erinnerung an dem Leiden Jesu, seinem Weg ans Kreuz, den wir in dieser Zeit bedenken? Das ist schließlich (tod)ernst – und findet seinen Ausdruck auch in manchem Ernsten und Ernsthaften in dieser Zeit. Gerade auch, wenn uns diese Zeit in die Auseinandersetzung mit uns selbst führt: wer bin ich? Wie stehe ich da? Wo brauche ich einen Neuaufbruch? Wo muss ich neu werden? In, mit und unter allem Ernst stehen wir damit aber auch an der Grenze zum Lachen. Merken vielleicht: gerade mit uns selbst ist es ist eine Gratwanderung. Karnevalesk. Martin Luther schreibt […]

Editorial zum Gemeindebote Dezember 2022 / Januar 2023

Weihnachten ist kein Klischee! Na gut – es ist doch irgendwo eins: Haselnuss und Mandelkern, Glühwein und Lametta, „Drivng home for christmas“ und „Last christmas“… Klischee kann ja auch schön. Und ist gar nicht schlimm manches mal. Klischees hüllen uns auch heimelig ein, tun gut; schaffen Wiedererkennungswerte, Vertrautes. Auf Klischees muss man gar nicht nur abwertend schauen. Vom hohen Ross herunter. Auch wenn der Duden das als Möglichkeit festhält: „Klischee := (bildungsspachlich abwertend) eine überkommene Vorstellung, unschöpferische Nachbildung, Abklatsch“. Weihnachten ist eine „überkommene“ Vorstellung, ja. Eine, die wir uns nicht aussuchen, sondern etwas, das tradiert ist, überliefert, auf uns und über uns gekommen durch die Jahrhunderte. Nichts, was deswegen hinfällig […]

Editorial zum Gemeindebote Oktober / November 2022

„Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.“ Das Herbstgedicht von Rainer Maria Rilke benötigt 2022 eigentlich einen Superlativ. Denn der Sommer war in vielem übergroß – heiß, trocken; manche Frucht ist klein geblieben darüber. Mancher Landwirt schaut mit Sorge in den Einkaufswagen. Und nicht nur der. Heiß war und ist es auf der Weltbühne: Ukraine, Armenien, Kirgistan, Tadschikistan. Und viele schauen mit Sorge in den Einkaufswagen. Fragen sich, was sich in ein paar Monaten noch hineinlegen lässt und auf was man vielleicht lieber verzichtet; wie voll sich der Einkaufswagen dann noch präsentieren wird. Der Sommer war sehr groß und wir finden uns in einer Zwischenzeit wieder, die selbst […]

Editorial zum Gemeindebote August / September 2022

„Waldbaden“ wurde 1982 vom japanischen Forstministerium erfunden. Dem Namen nach. Gut 40 Jahre später kann man auch in unseren Breiten auf der anderen Seite des Erdenrunds immer wieder lesen und gesagt bekommen: das ist der Gesundheitstrend schlechthin. Und nicht nur Förster nicken dazu wissend. Dass Wald, Bäume, Sträucher eine Wohltat sind für Körper, Geist und Seele ist freilich schon viel länger bekannt. Dem Propheten Jona etwa steigt in alttestamentarischer Zeit ohne baumigen Schatten der Blutdruck beim Blick über Ninive; der Rizinus, den Gott wachsen lässt, kühlt ihm den Kopf äußerlich und innerlich – ein wahrer „Wunderbaum“ (Jona 4). Wald und Natur halten uns dabei auch mehr und mehr den Spiegel […]

Editorial zum Gemeindebote Juni / Juli 2022

Für mich soll’s rote Rosen regnen. Mir sollten sämtliche Wunder begegnen Die Welt sollte sich umgestalten Und ihre Sorgen für sich behalten Schön wär’s! Wenn es so sein könnte, wie Hildegard Knef es besungen hat. Jugendträume, die sich gut durch ein Leben ziehen können. Nicht nur mit 16 geträumt werden können, wie in diesem Lied, sondern auch mit auf den Kopf gestellten 91 ganz genauso. Die Welt sollte sich umgestalten. Dass sie es nötig hat, wir es nötig haben – immer wieder durch unsere Lebens- und Menschheitsgeschichten hindurch – das ist auch in diesem Jahr wieder leidvoll erlebbar. Mir sollten sämtliche Wunder begegnen. Mit dem Pfingstfest feiern wir genau das: […]

Editorial zum Gemeindebote April / Mai 2022

Ein Weltgebetstag zum Frieden. Jeden Abend „Brennpunkte“ zum Krieg. Flüchtende aus der nahen Ferne. Sehnsucht nach Urlaubs-Ferne. Ein ehemaliger Comedian als Präsident auf der einen Seite. Ein Präsident, der seine eigene erschreckende Karikatur ist, auf der anderen. Wir sind „dazwischen“ – in allem „mittendrin“. Zwischen großer Hilfsbereitschaft und Überforderung. Zerrissenheit macht sich breit und Entschlossenheit. Gutes und Böses liegt so erschreckend nah beieinander – auf dem medialen Präsentierteller tagtäglich. Es ist „Zwischenzeit“. Mitten in solche Zwischenzeit stellt uns die Fasten- und Passionszeit, in der wir uns befinden: wir vergegenwärtigen den Weg Jesu ins Leiden, ans Kreuz, ins Sterben. Und zugleich: es ist der Weg zum Leben. Ein Weg ins Dunkel. […]