“Bleibt alles anders”

singt Herbert Grönemeyer. Kaum eine Zeit im Kirchenjahr singt uns das so zu wie Advent und Weihnachten. Eine Zeit von Erwartung und Erfüllung. Sehnsüchtigem Erwarten. Wie Kinder mit dem Adventskalender und dem einen großen Türchen am Heiligen Abend. Mit großen Augen unter dem Christbaum. Ein Erwarten jedes Jahr neu. Eines, das sich nicht abnutzt. Das immer wieder neu ganz sehnsüchtig wird. Nach Banalem und Heiligem. Kleine und große Sehnsüchte, die sich da im Advent einstellen. Zwischen Lebkuchen und dem Reich Gottes; zwischen ein bisschen Frieden in den eigenen vier Wänden und dem großen Frieden, der alles einschließt.

Der Advent zieht uns hinein ins Erwarten. Mit den vier Adventssonntagen, die an die idealtypisch gedachten vier Jahrtausende erinnern, die die Menschen der Bibel auf den Christus, den Erlöser,  gewartet haben. Um dann festzustellen: bleibt alles anders. Weihnachten trifft und bricht die Erwartungen, die hingetragen werden. Da werden nicht einfach Wünsche erfüllt, sondern viel mehr. „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau“ schreibt Paulus im Brief an die Galater. Als die Zeit reif war; der Erwartungen mehr als genug; als die Zeit und die Welt voll wurde – mit Gott selbst: da wurden die Erwartungen getroffen und gebrochen.

Und es bleibt alles anders. Auch gut 2000 Jahre später. Die Gegenwart Gottes trifft und bricht unser Erwartungen. Jedes Jahr neu.

Advent und Weihnachten nehmen uns mit auf einen Weg des Erwartens und Staunens: wollen uns mit Maria dahinbringen, dass wir uns auf diesen Weg einlassen; mit den Hirten dahin, dass uns die Augen übergehen und das Herz voll wird; mit den Engeln dahin, dass wir nicht anders können als in die Welt zu gehen und von der Gegenwart Gottes zu singen, zu summen, zu spielen; mit dem alten Simeon und der alten Hanna dahin, dass wir sehen, wie sich unsere Zeit erfüllt; mit den Weisen aus dem Morgenland und Herbert Grönemeyer dahin, für sich mit Weihnachten je neu zu entdecken: „stehst unter einem hellen Stern“.

Erhellende Erfahrungen, die Ihre Erwartungen treffen und auch brechen – heilsam – das wünsche ich Ihnen beim Lesen dieses Gemeindeboten und in diesen Wochen von Advent und Weihnachten.

Ihr Pfarrer Benjamin Schimmel

Zum Gemeindebrief Dezember 2018 / Januar 2019