„Herr: es ist Zeit“ beginnt Rainer Maria Rilkes Gedicht Herbsttag. „Der Sommer war sehr groß.“

„Naja“ wird manche und mancher da in diesem Jahr vielleicht sagen – in diesem eher kleinen deutschen Sommer 2021. Ein Ausrufezeichen setzen dahinter dagegen die Meteorologen, die für Gesamteuropa den wärmsten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen haben. Und wer selbst im Süden war oder
sich an die Feuer-Bilder aus Italien, Griechenland oder der Türkei erinnert, kann dem sicher auch folgen.

Zwischen Flut und Hitze haben wir in diesem Jahr einmal mehr sehr eindrücklich vor Augen geführt bekommen, wie abhängig wir davon sind, wie groß oder klein Sommer, Frühling, Herbst und Winter sind.

Die zwei Monate Oktober und November, in die wir mit diesem Gemeindeboten gehen, machen sich diesen Blick jedes Jahr neu ganz explizit zu eigen. Zwischen Erntedank mit seinem Blick auf das, was gewachsen, gelungen, aber auch auf der Strecke geblieben ist und dem Ewigkeitssonntag, der auf die „Ernte“ des ganzen Lebens schaut und zugleich auch schon auf das, was kommt – auf DEN, der kommt: der, der allem Leben Grund und Ziel gibt, aus dessen Hand wir leben und auf
den wir zugehen; bei dem wir gehalten sind in allem Groß und Klein, Hin und Her: Jesus Christus.

„Herr: es ist Zeit“ adressiert auch Rilke sein Herbstgedicht. Erinnert daran, dass es seine Zeit ist, in der wir Leben und in der uns alles zufließt. Zeit, an der wir hängen; die uns gegeben ist, um sie zu gestalten. Es ist Zeit – zum Innehalten, Staunen, Danken, Bitten, Klagen

Dass Sie Muse und Ruhe für die so gefüllte Zeit finden in diesen Tagen und dem nachsinnen können, wie Ihr Sommer und dieses ganze Jahr war – zu welchen Zeiten groß und klein, gefüllt und entbehrungsreich – und dass Sie all das vor den Herrn der Zeit tragen können im Staunen, Danken, Bitten, Klagen wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Benjamin Schimmel