„Sieben Wochen ohne Blockaden.“

Manchmal sprechen wir von Bildern, Worten, Sätzen, die einen „sofort anlachen“. Ich sitze vor dem Motto der diesjährigen Fastenaktion zur Passionszeit und fühle mich im ersten Moment eher ein bisschen „sofort ausgelacht“: Spielraum…ohne Blockaden.

Immerhin darf ich gegenwärtig nur aus „triftigen Gründen“ nach draußen; unsere drei Kinder sitzen zu Hause, weil die Spielräume Kindertagesstätte und Schule geschlossen sind; aus familiärem „alle zusammen“ ist Vereinzelung geworden; die 15km Bewegungsfreiheit um den Wohnort herum erscheinen in trüben Wintertagen wie eine gemeine Fußfessel; die Bestellung über die Bäcker- und Metzgertheke ist mit FFP2-Maske auch nicht leichter geworden. Das Leben wie blockiert.

Wenn ich allerdings so über die Spielräume nachdenke, die auch jetzt da sind, merke ich, wie manche Blockade vielleicht doch vor allem eine im Kopf ist. Denn: Arbeiten, Einkaufen, Sport – alles triftige Gründe. Gehe ich sonst auch aus anderen Gründen nach draußen? Wie oft trifft sich eigentlich die „ganze Familie“? Und so gerne ich in die Fränkische Schweiz und ins Fränkische Seenland fahre, wie oft überschreite ich die 15km tatsächlich? Natürlich: es sind und bleiben Härten. Gerade für Kinder und Senioren, für Gemeinschaft und Miteinander. Für jede/n Einzelne/n. Aber gerade dafür ist nun auch die Passions- und Fastenzeit da: zum Differenzieren. Genau hinschauen. Aneinander- und Auseinanderhalten. Die eigenen Spielräume ausloten, sich freuen über die, die es gibt und durchaus auch beklagen, wo sie fehlen.

In diesem Jahr werden wir besonders herausgefordert, uns bewusst zu werden: was bindet mich wie? Wir werden dabei herausgefordert, Freiheit zu gewinnen. Indem wir uns nach unseren Spielräumen und Blockaden fragen – auch überkreuz: welche (vermeintlichen) Freiheiten binden mich? Welche Bindungen machen frei?

Dazu Fasten. Verzichten. Ganz bewusst auch in dem vielen Verzicht, der uns nun schon bald ein Jahr mal mehr mal weniger auferlegt ist.

Dazu Innehalten. Dazu sich an den halten, den wir uns in der Passionszeit vor Augen halten: Jesus Christus in seiner Passion, Freiheit, Gebundenheit und Bindung.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie inmitten dieser Zeit so entdecken, was uns mit der Passion Jesu verheißen ist: dass unsere Bindung an den „Gott mit uns“ tiefe Freiheit
schenkt.

Ihr Pfarrer Benjamin Schimmel

Gemeindebote Johanneskirche Eibach 2021-02