„Wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her, dass du es noch einmal wieder zwingst und von Sonnenschein und Freude singst.“

Dieses Verslein, das sich an Rilke anlehnt, fand ich irritierend solange ich es einigermaßen bewusst kenne. Es hing auf einen Porzellanteller geschrieben an der Wand in der Küche meiner Großeltern. Schon allein deswegen hat es zwar durchaus etwas Hoffnungsvolles; mit Lichtlein und Freude und Sonnenschein. Aber irritiert hat mich schon immer dieses „von irgendwo“. Klingt nach nirgendwo. Und zusammen mit dem Zwingen hat das auch etwas Deprimierendes.

Was, wenn keiner mehr etwas zwingt? Wenn sich manches gar nicht zwingen lässt?

In diesem Lockdown mal mehr mal weniger hart, der nun schon ein Jahr dauert. Freilich mit Lichtlein „von irgendwo“: Biontech, AstraZeneca (da stockt vielleicht
manche/r schon), Sputnik…hm…es ist so eine Sache mit den Lichtlein.

Und wer zwingt es im „Großen Lockdown“ vor dem die Jünger stehen am Abend des Karfreitags?

Und wir alle – vor fremdem und auch mal eigenem „Großen Lockdown“?

Es gibt Zeiten, Tage, Momente, an denen zerschellt jeder Porzellanteller mit Kalenderspruch.

Das feiern wir in diesen Tagen rund um Ostern.

Ja, wir feiern dieses Zerschellen, wie es uns die Kartage vor Augen stellen, weil sie uns daran erinnern, dass mitten in diesem Zerschellen nicht „von irgendwo“ ein Lichtlein herkommt, sondern dass das Licht mitten im Zerschellen, mitten im Lockdown – auch im großen – scheint. Dass es von einem bestimmten Ort aus in jede Dunkelheit kriecht: vom leeren Grab aus. Vom Grab des Ostermorgens, das davon erzählt: Gott sitzt mit drin. Dort, wo es finster und dunkel und geschlossen wird. Und er zwingt das Licht ins Dunkel, Leben in den Tod, Wege in die Sackgassen.

Dass Sie von diesem Licht des Osterfestes in diesen Tagen und ihr Leben lang singen können wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Benjamin Schimmel

Gemeindebote Johanneskirche Eibach 2021-04